Die Geschichte des Meringer Multum in Parvo Papiertheaters (Teil 1)

Sieben Jahre Multum in Parvo Papiertheater und zehn Inszenierungen in den letzten vier Jahren. Grund genug für uns, die Geschichte unseres Papiertheaterverlages und Opernhauses einmal zu rekapitulieren.

So sieht unser Zuschauerraum in der Gegenwart aus, wenn Aufführungen bei uns stattfinden. Weitere Fotos gibt es auf unserer Opernhaus-Webseite.

2010

Im Frühjahr 2010 gründeten wir das Multum in Parvo Papiertheater in München. Schnell merkten wir aber, dass die Fixkosten für unser Vorhaben in der Landeshauptstadt ins Uferlose gestiegen wären. Wir hätten nämlich nicht nur eine Werkstatt anmieten müssen, sondern auch nach einem geeigneten Aufführungsraum suchen müssen, der zusätzliche monatliche Kosten verursacht hätte. Wenig später konnten wir die Gunst der Stunde nutzen – unser Vermieter bot uns viel Geld dafür, dass wir unsere schöne Innenstadtwohnung räumen, damit er sie teuer verkaufen konnte – und sind in einer Blitzaktion von München nach Mering umgezogen. Nur sieben Wochen blieben uns damals Zeit, um die alte Wohnung aus- und das neue Haus erst einmal zu finden und dann schnellst möglich einzuräumen… und das Ganze mit zwei zweijährigen Buben im Schlepptau. Keine leichte Aufgabe, aber wir haben alles pünktlich geschafft.
Fortan waren wir Meringer, was wir noch keinen Tag bereut haben.

2012

Zwei Jahre – bis zum September 2012 – hat es dann bis zu unserer Ladeneröffnung gedauert. Es waren zwei Jahre voll akribischer Kleinarbeit beim Recherchieren nach Bögen, beim Ausbau unserer Papiertheatersammlung, beim Restaurieren der Papiertheater-Schätze, beim Aufbau des Internet-Shops und natürlich auch bei der Einrichtung unseres „Showrooms“, unserem jetzigen Aufführungsraum, der voll ist mit kleinen Theatern, von denen jedes einzelne mit einer eigenen Kulisse bestückt ist. Von Anfang an wollten wir Papiertheater erlebbar machen, die Tiefe der Räume sollte bereits beim Betreten unseres Ladens die Besucher in den Bann ziehen. Die Eröffnung selbst fiel durch einen glücklichen Zufall mit der Eröffnung des großen Meringer Kreisels zusammen. Direkt vor unserer Haustür war extra ein großes Festzelt für diesen Anlass aufgebaut worden. Einige unserer auswärtigen geladenen Gäste waren wegen dieses gigantischen Aufwands für ein neues Papiertheater ziemlich überrascht, bis sie darüber aufgeklärt wurden, dass all dies natürlich nicht wegen unserer Eröffnung, sondern wegen der des Kreisels geschah. Wir durften uns trotzdem sehr darüber freuen, dass unser Bürgermeister Hans-Dieter Kandler eine wunderbare Rede zum Anlass unserer Eröffnung hielt, nachdem unser Pfarrer Prof. Dr. Thomas Schwartz die Räumlichkeiten gesegnet hatte. Nach einigen weiteren Ansprachen wurde dann bis in die späte Nacht gefeiert. Wir fanden es sehr schön, dass durch das benachbarte Festzelt ein reger Publikumsverkehr zwischen Festzelt und unseren Räumlichkeiten stattfand.

Dieses Foto entstand am Abend des Tages nach der Eröffnung unserer Räumlichkeiten. Auf unserer Shop-Seite findet sich eine ganze Galerie mit Fotos von der Eröffnung: Multum in Parvo Papiertheater

2013

Von Anfang an war aber auch geplant, eigene Papiertheaterinszenierungen vor Publikum zu spielen. Am Samstag, den 23. November 2013 um 22:00 Uhr, war es dann endlich so weit. In der Augsburger Volkshochschule am Willy-Brandt-Platz fand unsere offizielle Premiere von Carl Maria von Webers ‚Der Freischütz‘ statt. Damals hatten wir noch keine feste Spielstätte und waren für Aufführungen im Süden Deutschlands mit unserer zerlegbaren Papiertheaterbühne, die in einem Anhänger Platz fand, unterwegs. Ganz besonders gern erinnern wir uns hierbei auch an unseren Stuttgarter Freischütz in den Räumen der dortigen Stadtbibliothek. Von einem fachkundigen Publikum, das zu großen Teilen aus der Stuttgarter Kunst- und Figurentheaterszene bestand, bekamen wir einen sensationellen Applaus, der uns sogar einige Wochen danach noch getragen hat. Bevor diese Aufführung beginnen konnte, gab es aber erst einmal jede Menge Stress, da wir den Stuttgarter Berufsverkehr etwas unterschätzt hatten. Sage und schreibe zwei Stunden benötigten wir für eine Strecke, die sich unter normalen Verkehrsbedingungen in einer guten Viertelstunde bewältigen lässt. Es grenzte fast an ein Wunder,  dass wir mit nur 15 Minuten Verspätung mit unserer Aufführung beginnen konnten.

Premiere: Am Samstag, den 23. November 2013 um 22:00 Uhr, in der Augsburger Volkshochschule am Willy-Brandt-Platz. Infos zu unserer Freischütz-Inszenierung gibt es beim Klicken auf den Link.

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Im nächsten Teil geht es dann weiter mit der Eröffnung unseres Opernhauses im September 2014 mit Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte.

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Making of: Hintersetzer für Zauberflöte Akt I, 9-14.

Will man die ganze Zauberflöte aufführen, benötigt man 12 verschiedene Bühnenbilder. Für den ersten Akt, Szene 9 – 14, haben wir uns für Nr. 34 ‚Ägyptische Halle‘ vom Wiener Verlag Trentsensky als Ausgangsbasis für unser Bühnenbild entschieden:
Trentsensky Nr. 34 'Ägyptische Halle - Hintergrund'.

Trentsensky Nr. 34 ‚Ägyptische Halle – Hintergrund‘.

Da wir die zu diesem Bühnenbild eigentlich dazugehörigen Seitengassen für langweilig hielten, beschlossen wir, aus diesem Hintergrund eine Durchsicht zu machen, die dem Raum mehr Tiefe geben soll:
Die ägyptische Halle als Durchsicht.
Die ägyptische Halle als Durchsicht.
Der ausgeschnittene Hintergrund sollte aber weiterhin als Bühnenbildhintergrund seine Verwendung finden:
Ägyptische Halle, ausgeschnittener Hintergrund

Ägyptische Halle, ausgeschnittener Hintergrund.

Dazu mussten wir erst einmal die weißen Lücken ergänzen. In einem ersten Schritt wurden die hintere Pyramide, der Dschungel und der Himmel so überarbeitet, dass alle Lücken harmonisch geschlossen wurden. Der hohe Baum auf der linken Seite wurde wegretuschiert. Anschließend wurden die Seiten, der Boden und der Himmel mit anderen Elementen aus Trentsensky-Bühnenbildern umrandet. Das Ergebnis sieht dann so aus:
Erweiterung des Hintergrunds der ägyptischen Halle

Erweiterung des Hintergrunds der ägyptischen Halle.

Um diesem Hintergrund noch mehr Tiefe zu geben, wurde er auf Backlit-Folie gedruckt, die durch die Beleuchtung von hinten und den opaken Charakter des Papiers die atmosphärische Weite der Landschaft zusätzlich betonte.
Um den Übergang zwischen Durchsicht und Hintergrund harmonisch zu überbrücken, entschieden wird uns dafür, gleich hinter der Durchsicht zwei weitere Palmen zu platzieren:
zwei palmen

Zwei Palmen, angefertigt aus Trentsensky-Beständen.

Mit dem optischen Eindruck des Hintergrunds waren wir jetzt zufrieden. Als letztes Problem blieb jetzt nur noch der Vordergrund. Da die eigentlich vorgesehen Seitengassen von Trentsensky für uns nicht in Frage kamen, sagten wir uns: „Warum nicht einfach eine weitere Durchsicht aus dem Hintergrund herstellen?“ Der eigentliche Hintergrund musste jetzt nur noch vergrößert, die Säule in der Mitte und die Treppenstufen entfernt und die Deckenteile perspektivisch angepasst werden. Herausgekommen ist dabei diese Durchsicht:
Ägyptische Halle - weitere Durchsicht
Aus dem Hintergrund angefertigte Durchsicht für den Vordergrund.
Nachdem alle Bühnenbildteile ausgeschnitten und auf Rahmen gespannt waren, ihre endgültige Position festgelegt war, leuchteten wir das Bühnenbild mit unseren LED-PAR-Scheinwerfern aus:
Papiertheater-Zauberflöte, Akt I, 9-14

Das ausgeleuchtete Bühnenbild auf unserer Papiertheater-Bühne.

Die Bühnenlampen im Vordergrund sind während einer Aufführung normalerweise aus. Sie wurden lediglich für dieses Foto eingeschaltet, um den dreidimensionalen Charakter der realen Bühne zu betonen.