Unser Freischütz, Teil 2: Die Wolfsschlucht

Und weiter geht es mit unserem Arbeitstagebuch zum Freischütz. Das Finale steht im Großen und Ganzen. Es fehlen nur noch eine große Tafel und “Hirsche, Eber und anderes Wildbret in Haufen aufgetürmt”. Aber da wird sich wohl hoffentlich in den Beständen von Trentsensky das eine oder andere finden lassen.

Die Wolfsschlucht-Szene ist natürlich die spektakulärste der ganzen Oper und beflügelt meine Phantasie am meisten. Die schönste Dekoration stammt zweifelsohne aus dem Hause Scholz. Carl Beyer hat sie für die Mainzer gegen Ende des 19. Jahrhunderts entworfen. Grob in Photoshop zusammengebastelt, sieht sie ungefähr so aus:

Das Bild zeigt die in Photoshop aus 4 Bögen zusammengesetzte Wolfsschlucht

Mit dem Look bin ich noch nicht vollkommen zufrieden, aber die Szene wird sowieso erst auf der Bühne endgültig entschieden werden. Natürlich spielen die Spezialeffekte in dieser Szene eine wichtige Rolle: Wasserfall, Feuer, Gewitter, die wilde Jagd, ein rotgefärbter Wasserfall etc. Die Augenlöcher der Totenköpfe sollen in den verschiedensten Farben flackern, wenn die Freikugeln gegossen werden. Auch die Augen der Eule auf dem Baumstumpf sollen rot aufleuchten können. Wichtig ist auch die Möglichkeit, die Farbe des Himmels zu verändern. Bislang ungelöst ist noch der Wasserfall. Natürlich sind die passenden Geräusche sehr wichtig, um die Illusion eines Wasserfalls zu verstärken, aber ohne geeignetes Licht wird das alles nichts. Ich spiele mit dem Gedanken, den Wasserfall von hinten mit einem Gobo zu beleuchten. Das Wasser soll sich dabei auch rot verfärben können. Beyer hat den Auftritt Samiels in den Wasserfall verlegt. Er wird dort aus der Versenkung hochgefahren und wird in seiner Endposition ungefähr so aussehen:

Die Wolfsschlucht mit Samiel.

Die Wolfsschlucht mit dem aus der Versenkung hochgefahrenen Samiel.

Das alles wird natürlich von passenden Geräuschen und Pyroeffekten begleitet werden. An dieser Stelle des Bühnenbildes ist auch genügend Platz für die wilde Jagd. Mit feinem Rauch erhält das Bühnenbild dann auch noch die notwendige unheimliche Atmosphäre. Die Blitze besorgt ein Stroboskop. Als Schlusseffekt wird es dann eine mit Bärlappsamen erzeugte Staubexplosion geben. Wollen wir mal hoffen, dass die Bühne während der Aufführung nicht ein Opfer der Flammen wird. Ein geeignete Konstruktion für die Staubexplosion muss allerdings vorher erst noch gebaut werden.

Bei der Arbeit an der Szene kam mir dann auch der Gedanke, die an prominenter Stelle im rechten Bühnenvordergrund sitzende Eule schon im ersten Akt auftreten zu lassen. Eine Schwierigkeit beim Papiertheaterspiel besteht ja darin, dass die Figuren doch sehr statisch sind. Die Bewegung muss also im Kopf des Zuschauers stattfinden, und dazu braucht man entsprechende Anreize. Wenn Max mit Hilfe einer Freikugel einen Steinadler schießt, könnte das mit Hilfe der Eule klappen: Kaspar fordert Max auf zu schießen. Gleichzeitig wird er hinter Max geschoben, und in dem Moment leuchten auch schon die Augen der Eule auf. Es folgt ein lauter Schuss, Kaspar wird wieder neben Max gezogen. Das Schöne an dieser Lösung ist auch noch, dass sie dramaturgisch sinnvoll ist, da schon hier die Kräfte der Unterwelt wirken und auf die Wolfsschlucht verweisen.