Der Aufbau einer Computer-gesteuerten Lichtanlage für unser Papiertheater (2)

Teil 2: DMX-Hardware und Verkabelung der Scheinwerfer

In unserer Lichtanlage kommen zwei sehr unterschiedliche Typen von Beleuchtungskörpern zum Einsatz. Auf der einen Seite finden Bühnenscheinwerfer Verwendung, auf der anderen Seite LED-Leisten. Theoretisch kann man beide Typen über eine einzige DMX-Kette miteinander verbinden. In der Praxis hat dies allerdings nicht funktioniert. Da wir uns für das preiswerteste Netzteil zum Betrieb der LED-Streifen entschieden haben, mussten die LED-Strips an der ersten Stelle der DMX-Verkettung stehen. Bei Verwendung wesentlich teurerer Netzteile ist dies nicht nötig. Hier kann den LED-Leisten eine beliebige Anfangsadresse zugewiesen werden. Es gibt zwar ein Adapter-Kabel, welches einen Anschluss vom letzten LED-Streifen der Kette an den ersten Scheinwerfer der Kette ermöglicht. In der Praxis wurde das DMX-Signal aber trotzdem nicht an die Scheinwerfer weitergegeben. Das Problem lässt sich allerdings ganz einfach durch die Verwendung eines DMX-Splitters in den Griff bekommen. Da wir für die Zukunft planen, auch weitere Geräte wie zum Beispiel einen Fogger über DMX zu steuern, haben wir uns gleich für den Einsatz eines etwas größer dimensionierten DMX-Splitters entschieden. Im Moment sind aber nur die zwei DMX-Ketten für die Beleuchtung an den Splitter angeschlossen. Die Verwendung eines Splitters hat übrigens keinerlei Auswirkung auf die verwendeten DMX-Adressen im System. Sämtliche DMX-Adressen werden über alle verfügbaren Ausgänge des Splitters in allen angeschlossenen Leitungen abgefragt.

So sehen nun die Bestandteile unserer Lichtanlage im Einzelnen aus:

  • 1 Enttec DMX USB Pro Interface: Wenn man sich sicher ist, das Licht nur über die Software steuern zu wollen, kann man sich auch für eine billigere Variante dieses Adapters entscheiden, das Enttec Open DMX USB Interface.
  • 1 LightmaXX-DMX-Boost-8-fach-Splitter
  • 6 LED-Streifen (5 hängen von oben in den einzelnen Gassen, die 6. liegt auf dem Boden vor dem Hintergrundprospekt.
  • Converter EDXe 170/24 V with cord grip (Ref. No.: 186104) von Vosloh Schwabe für die Stromversorgung der LED-Streifen
  • 5 je 2 Meter lange Platinenkabel, um die LED-Leisten untereinander zu verbinden. Ein Kabel kostet etwa 3 Euro.
  • 2 PAR-64-Scheinwerfer (Die Scheinwerfer stehen hinter dem Hintergrundprospekt und sind auf einem Stativ aufgebaut. Unsere Hintergrundprospekte sind alle auf Backlit-Film ausgedruckt. Mit den Kannen bekommen wir die nötige Lichtpower, um hinten eine richtig strahlende Helligkeit zu erhalten.):
  • 1 Spot. Ein Spot stellt allerdings das absolute Minimum dar und kann dann auch nur Verwendung zur Figurenausleuchtung finden. Möchte man auch einzelne Bühnenbildbestandteile optisch hervorheben, benötigt man zusätzliche Spots. Eine weitere Einschränkung betrifft die Qualität des hier vorgestellten Spots. Der Scheinwerfer wird über ein XLR-zu-Klinkenstecker-Kabel an die DMX-Kette angeschlossen. Die Klinkenstecker sind für den robusten Einsatz in der Aufführungspraxis ungeeignet. Ein weiterer Nachteil dieses Spots besteht darin, dass er bei stärkerem Dimmen anfängt zu flackern. Sobald wir bessere Erfahrungen mit anderen Spots gemacht haben, werden wir diesen Scheinwerfer definitv austauschen und dies auch hier dokumentieren.

Das DMX-USB-Pro-Interface von Enttec verfügt über einen 5-poligen XLR-Ausgang (female). Der LightmaXX-DMX-Boost-8-fach-Splitter wartet mit einem 3-poligen und einem 5-poligen XLR-Eingang (beide male) auf. In unserer Anlage verbinden wir das DMX-USB-Pro-Interface über den 3-poligen Anschluss mit dem Splitter einfach deshalb, weil wir so ein Kabel schon vorher im Einsatz hatten. Die acht Ausgänge des Splitters sind alle 3-polig (female). Von dem einen Ausgang führt ein Kabel zum ersten Schnick-Schnack-LED-Streifen. Die Schnick-Schnack-Strips lassen sich über ein 5-poliges Adapterkabel (male) mit der XLR-Leitung verbinden. Hierzu benötigt man allerdings ein weiteres Adapterkabel (3-polig (male) auf 5-polig (female)). Die anderen LED-Streifen sind über Kabel des Kölner Herstellers verbunden. Ein Terminator wird am Ende dieser DMX-Kette nicht benötigt. Von dem anderen Ausgang des Splitters führt ein XLR-Kabel (3-polig (male) zu 3-polig (female)), das mit dem Adapterkabel (XLR auf Klinkenstecker) vom Spot verbunden wird. Auch als DMX-Ausgang des Spots dient leider abermals ein Klinkenstecker. Man benötigt also ein weiteres Adapterkabel (Klinkenstecker auf 3-poliges XLR (female). Die anschließenden Scheinwerfer sind dann über ganz normale 3-polige XLR-Kabel (male/female) miteinander verbunden. In der Literatur wird empfohlen, am DMX-Ausgang des letzten Scheinwerfers einer Kette, einen DMX-Terminator anzuschließen, um Signal-Reflexionen zu verhindern. Ich habe mir die 5 Euro gespart und bislang keinerlei Beeinträchtigungen feststellen können.

Im nächsten Teil geht es dann um die Adressierung der Scheinwerfer und die Arbeit mit PC-Dimmer.

Der Aufbau einer Computer-gesteuerten Lichtanlage für unser Papiertheater (1)

Teil 1: Software und Computer

Die Open-Source-Software PC-Dimmer übernimmt auf unserer Papiertheaterbühne die Funktion eines Lichtmischpults. Mit dem Programm lassen sich beliebige Lichtstimmungen erzeugen. Jeder Scheinwerfer (und jede Leuchtdiode einer LED-Leiste) kann von der Software einzeln angesprochen werden. Die einzelnen Scheinwerfer der gesamten Anlage lassen sich aber auch in verschiedene Gruppen zusammenfassen. Ein Befehl, der an eine Gruppe geht, wird dann von allen Mitgliedern dieser Gruppe gleichzeitig ausgeführt. Lichtfarbe und -helligkeit lassen sich entweder über Software-Schieber einstellen oder aber über ein Farbrad, auf dem man mit der Maus die gewünschte Farbe in der gewollten Helligkeit markiert.

Sobald man mit einer Lichtstimmung für eine Szene zufrieden ist, gibt man ihr einen Namen und speichert sie ab. Nachdem alle Lichtstimmungen, die für eine Aufführung erforderlich sind, bestimmt sind, kann man sie nun in einer Liste in der Reihenfolge des gewünschten Ablaufs abspeichern. Wer die Lichtstimmungen lieber auf eine Tonspur legen möchte, kann dies natürlich auch problemlos bewerkstelligen. Man lädt einfach den Soundtrack, den man verwenden möchte, in PC-Dimmer und legt die Lichtstimmungen genau auf die Stellen der Tonspur, an der die gewünschten Lichtstimmungen abgefahren werden sollen. In einem späteren Kapitel gehe ich noch einmal ausführlich auf die Arbeit mit PC-Dimmer ein.

Der Hersteller von PC-Dimmer teilt leider keine Systemvoraussetzungen mit. In unserem Papiertheater verwenden wir einen ausrangierten PC mit folgenden Leistungsmerkmalen:

  • Windows XP Professional / Service Pack 3
  • Intel Core(TM)2 Quad CPU @ 2.83GHz
  • 4 GB RAM
  • 640 GB HD

Bislang bin ich mit der Software überaus zufrieden. Sie hat sich noch kein einziges Mal aufgehängt und läuft tadellos. Das Handbuch lässt sich hier als PDF herunterladen:

Um den Computer mit der Lichtanlage zu verbinden, benötigt man nun einen USB-DMX-Adapter. Wer Ahnung von Elektronik hat und Lötarbeiten nicht scheut, kann sich solch ein Teil selber für 10 Euro zusammenbauen. Bauanleitungen findet man problemlos im Netz. PC-Dimmer unterstützt die gängigsten DMX-Schnittstellen, die auf dem Markt erhältlich sind. Bei uns kommt das DMX-USB-Pro-Interface von Enttec zum Einsatz. Wer vorher schon weiß, dass das Licht nur über die Software gesteuert werden soll, kann sich aber auch für eine einfachere Version dieser Schnittstelle vom australischen Hersteller entscheiden. Im nächsten Kapitel geht es dann mit dem Anschluss der einzelnen Leuchten weiter.