Unser Freischütz nimmt Gestalt an

Die Bühnenbilder sind mittlerweile alle ausgeschnitten. Auch die Figuren sind, nachdem sie in Photoshop für unsere Inszenierung bearbeitet worden sind, ebenfalls alle ausgeschnitten. Das Beleuchtungskonzept steht im Großen und Ganzen. Die Premiere rückt also mittlerweile in greifbare Nähe.

Hier dokumentieren wir nun Teile unserer Arbeit am ersten Akt. Das Licht ist zu Beginn der Szene noch relativ grell. Max wurde beim Wettschießen von dem Bauern Kilian besiegt und wird nun von allen gehänselt.

Das Licht zu Beginn des ersten Akts

Das Licht zu Beginn des ersten Akts.

Im Laufe des ersten Akts wird es dann langsam dunkel. Lichttechnisch gesehen wird alles also immer bläulicher und monochromer. Kleinere Lichtschwankungen, wie sie zum Beispiel durch die Sonne verdunkelnde Wolken geschehen, haben wir hierbei ebenfalls simuliert. Diese kleinen Lichtänderungen im Hintergrund sollen auf subtile Art und Weise ein realistisches Licht simulieren, um das Unterbewusstsein des Zuschauers in diese Miniaturwelt des Papiertheaters noch besser hineinzuziehen.

Theatralisch wird das Licht dann gegen Ende des ersten Akts. Max hat die Szene verlassen und Kaspar versinkt ganz und gar in seine Rache-Phantasien. Szenisch wird das Ganze im Moment so aussehen, dass Kaspar ganz vorne in der Mitte der Bühne steht: „Schweig, schweig – damit dich niemand warnt!“ Samiel erscheint im Hintergrund vor dem Wirtshaus. Das Licht verfärbt sich immer stärker von hinten ausgehend ins Rot. Die Welt der Wolfsschlucht leuchtet hier ständig noch bedrohlicher auf.

Gegen Ende des ersten Akts vom Freischütz

Gegen Ende des ersten Akts.

Im Laufe dieser großartigen Arie erscheinen dann auch immer mehr Geistererscheinungen von allen Seiten und umringen Kaspar. Mit den letzten Takten der Musik ist dann auch die ganze Bühne in blutrotes Licht eingetaucht. Der Vorhang fällt.

 

Unser Freischütz, Teil 2: Die Wolfsschlucht

Und weiter geht es mit unserem Arbeitstagebuch zum Freischütz. Das Finale steht im Großen und Ganzen. Es fehlen nur noch eine große Tafel und “Hirsche, Eber und anderes Wildbret in Haufen aufgetürmt”. Aber da wird sich wohl hoffentlich in den Beständen von Trentsensky das eine oder andere finden lassen.

Die Wolfsschlucht-Szene ist natürlich die spektakulärste der ganzen Oper und beflügelt meine Phantasie am meisten. Die schönste Dekoration stammt zweifelsohne aus dem Hause Scholz. Carl Beyer hat sie für die Mainzer gegen Ende des 19. Jahrhunderts entworfen. Grob in Photoshop zusammengebastelt, sieht sie ungefähr so aus:

Das Bild zeigt die in Photoshop aus 4 Bögen zusammengesetzte Wolfsschlucht

Mit dem Look bin ich noch nicht vollkommen zufrieden, aber die Szene wird sowieso erst auf der Bühne endgültig entschieden werden. Natürlich spielen die Spezialeffekte in dieser Szene eine wichtige Rolle: Wasserfall, Feuer, Gewitter, die wilde Jagd, ein rotgefärbter Wasserfall etc. Die Augenlöcher der Totenköpfe sollen in den verschiedensten Farben flackern, wenn die Freikugeln gegossen werden. Auch die Augen der Eule auf dem Baumstumpf sollen rot aufleuchten können. Wichtig ist auch die Möglichkeit, die Farbe des Himmels zu verändern. Bislang ungelöst ist noch der Wasserfall. Natürlich sind die passenden Geräusche sehr wichtig, um die Illusion eines Wasserfalls zu verstärken, aber ohne geeignetes Licht wird das alles nichts. Ich spiele mit dem Gedanken, den Wasserfall von hinten mit einem Gobo zu beleuchten. Das Wasser soll sich dabei auch rot verfärben können. Beyer hat den Auftritt Samiels in den Wasserfall verlegt. Er wird dort aus der Versenkung hochgefahren und wird in seiner Endposition ungefähr so aussehen:

Die Wolfsschlucht mit Samiel.

Die Wolfsschlucht mit dem aus der Versenkung hochgefahrenen Samiel.

Das alles wird natürlich von passenden Geräuschen und Pyroeffekten begleitet werden. An dieser Stelle des Bühnenbildes ist auch genügend Platz für die wilde Jagd. Mit feinem Rauch erhält das Bühnenbild dann auch noch die notwendige unheimliche Atmosphäre. Die Blitze besorgt ein Stroboskop. Als Schlusseffekt wird es dann eine mit Bärlappsamen erzeugte Staubexplosion geben. Wollen wir mal hoffen, dass die Bühne während der Aufführung nicht ein Opfer der Flammen wird. Ein geeignete Konstruktion für die Staubexplosion muss allerdings vorher erst noch gebaut werden.

Bei der Arbeit an der Szene kam mir dann auch der Gedanke, die an prominenter Stelle im rechten Bühnenvordergrund sitzende Eule schon im ersten Akt auftreten zu lassen. Eine Schwierigkeit beim Papiertheaterspiel besteht ja darin, dass die Figuren doch sehr statisch sind. Die Bewegung muss also im Kopf des Zuschauers stattfinden, und dazu braucht man entsprechende Anreize. Wenn Max mit Hilfe einer Freikugel einen Steinadler schießt, könnte das mit Hilfe der Eule klappen: Kaspar fordert Max auf zu schießen. Gleichzeitig wird er hinter Max geschoben, und in dem Moment leuchten auch schon die Augen der Eule auf. Es folgt ein lauter Schuss, Kaspar wird wieder neben Max gezogen. Das Schöne an dieser Lösung ist auch noch, dass sie dramaturgisch sinnvoll ist, da schon hier die Kräfte der Unterwelt wirken und auf die Wolfsschlucht verweisen.

In bunten Bildern um die Welt. Begegnungen mit der Fremde beim J. F. Schreiber-Verlag

Bogen von Schreiber zum Thema Teeanbau

Schreiberbogen 'Teeanbau'

Am Sonntag, den 6. Mai 2012, eröffnet im Museum im Schwörhaus, Esslingen, eine Ausstellung, die für jeden Papiertheaterliebhaber von Interesse sein dürfte. Mit Büchern, Bildern, Wandtafeln und Papiertheatern wird gezeigt, wie der Schreiber-Verlag das Bild der Fremde und des Fremden prägte. In der Pressemitteilung der Stadt heißt es:

“Cowboys und Indianer, Chinesen und Japaner, aber auch unsere europäischen Nachbarn – fremde Länder und Menschen in Orient und Okzident faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Texte und Bilder prägten das Bild von Natur, Menschen und Dingen aus aller Welt. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete der J. F. Schreiber-Verlag seit den 1830er Jahren mit seinem vielfältigen Angebot.

Die Ausstellung präsentiert eine abwechslungsreiche Schau mit Bilderbogen, Bilder-, Lehr- und Lesebüchern, Wandtafeln und Kartonmodellen aus dem J.F. Schreiber-Verlag. Mit ihrer Hilfe lernten Kinder früher das Fremde und Unbekannte kennen. Unterhaltendes und Belehrendes aus Wohnzimmer und Schule spiegelt den Zeitgeist welthistorischer Ereignisse und Entwicklungen wider. Wellen der Japanbegeisterung im 19. Jahrhundert und für die ägyptische Architektur und Kunst griff der Schreiber-Verlag in seinen Produkten auf; ebenso den Hunger nach Informationen über die neue Heimat der Auswanderer in Amerika oder die Kolonien. Jahrmarkt und Zirkus inszenieren das Fremde als Spektakel und Sensation. In Märchen und Abenteuerromanen werden ferne Länder zu Phantasiewelten. Die erfolgreichsten Motive in der langen Geschichte des J.F. Schreiber-Verlags waren jedoch Tierdarstellungen aus aller Welt.

Das mittelalterliche Schwörhaus bildet einen reizvollen Kontrast zur liebevoll gestalteten Ausstellungsarchitektur mit zahlreichen Objekten. Für Schulklassen und Kindergartengruppen bietet die Museumspädagogik der Stadt Esslingen ein vielfältiges und unterhaltsames Programm mit Führungen und Mitmachaktionen an.

„In bunten Bildern um die Welt. Begegnungen mit der Fremde beim J. F. Schreiber-Verlag“

Ausstellungsdauer
6. Mai bis 7. Oktober 2012

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 14-18 Uhr
Sonntag, Feiertag 11-18 Uhr
Montag geschlossen, Pfingstmontag geöffnet

Eintrittspreise
Erwachsene 2,60 €, ermäßigt und Kinder ab 6 Jahren 1,- €, Kinder 3 bis 5 Jahre 0,50 €, Familienkarte 6 €, Jahreskarte der Städtischen Museen 20 €, ermäßigt 12 €

Die Eintrittskarte gilt auch für das Museum im Salemer Pfleghof – J. F. Schreiber-Museum, Untere Beutau 8–10.

Museum im Schwörhaus – Wechselausstellungen J. F. Schreiber-Museum
Marktplatz 12
73728 Esslingen am Neckar
Telefon Verwaltung 0711/3512-3240
info@museen-esslingen.de
www.museen-esslingen.de”

Die Esslinger Zeitung berichtet in einem längeren Artikel über diese Ausstellung und führt in die zugrundeliegenden Konzepte ein. Zum Bericht der Zeitung geht es hier.

Herzlich Willkommen!

Hier dreht sich alles um die kleinen Theater aus Papier, Pappe und Holz. Wir stellen an diesem Ort unsere eigene Papiertheater-Produkte vor, machen auf Ausstellungen, interessante Websites und Papiertheater-Vorführungen aufmerksam. Auch praktische Tipps für das eigene Spiel sollen in unserem Blog nicht zu kurz kommen.
Doch zu Beginn noch ein kleiner Einstieg ins Thema für die Erstentdecker. Papiertheater – andere Bezeichnungen lauten Spielzeugtheater oder Kindertheater – sind Miniaturtheater, die als Ausschneidebögen seit Anfang des 19. Jahrhunderts überall in Europa im Handel erhältlich waren.
Die Portalbreiten der kleinen Theater bewegen sich zwischen zirka 25 Zentimetern und beinahe 60 Zentimetern. Ein bürgerliches Publikum kaufte diese Ausschneidebögen zur Erbauung und Erziehung ihrer Kinder im Theater, in Papier- oder Buchhandlungen oder direkt an der eigenen Haustür. Die Bühnenbild- und Figurenbögen wurden dann im Kreise der Familie ausgeschnitten und auf Pappe geklebt. Anschließend probte man die Stücke gemeinsam und brachte sie im Rahmen der Familie zur Aufführung. Die Töchter des Hauses waren hierbei meistens für die musikalische Umrahmung zuständig, die Jungens für die Technik. Das Repertoire umspannte die damals gängigen Spielpläne der Opern- und Sprechtheaterbühnen. So finden sich spezielle Papiertheaterfassungen des Freischütz oder der Zauberflöte in fast allen Papiertheater-Verlagen. Im Spielzeugtheater-Repertoire durften aber auch natürlich Klassiker wie der Faust, Wilhelm Tell oder Othello nicht fehlen.

Szene aus Dornröschen

Das Bild zeigt ein Proszenium von der Firma Scholz mit einer Szene aus Dornröschen. Das Bühnenbild geht auf Entwürfe des Darmstädter Hoftheatermalers Carl Beyer für die Mainzer Firma Jos. Scholz zurück.

Wir wünschen Ihnen nun noch viel Spaß bei der weiteren Lektüre.