Making of: Im Filmstil ausleuchten

Klassische Regeln des Filmlichts lassen sich auch im Papiertheater für die Lichtgestaltung einsetzen.

Das Foto zeigt das Bühnenbild ‚Gotisches Zimmer‘ von Jos. Scholz, Mainz. Die verwendete Reproduktion stammt von Multum in Parvo in Mering.

 

Ich möchte anhand dieses Fotos, das ich vor 2 Tagen auf unserer Bühne gemacht habe, einmal zeigen, wie man eine Papiertheater-Kulisse nach den Regeln des klassischen Hollywood-Kinos ausleuchten würde.

Eine der wichtigsten Regeln, die im Mainstream-Kino kein DOP infrage stellen würde, lautet, dass es nur eine einzige Lichtquelle geben darf, von der sich alles, was im Bild im Licht ist, ableiten lässt. Eine andere Regel, die ich hier ebenfalls beherzigt habe, sagt, dass der Vordergrund am dunkelsten und der Hintergrund am hellsten zu sein hat. Dadurch wird in einem zweidimensionalem Bild die Tiefenwirkung betont.

Die Lichtquelle, die das gotische Zimmer von Scholz ausleuchtet, ist hier die Sonne, die durch das hintere Fenster in den Raum hineinstrahlt. Natürliche Reflektoren sind zum einen der Boden hinter dem Fenster, der Fußboden vor dem Fenster, die Wände und die Decken des Zimmers. Die LED-Leiste, die vom Zuschauer aus gesehen auf dem Boden hinter dem Fenster liegt, dient hier quasi als reflektierende Rasenfläche. Aus diesem Grund habe ich auch alle 10 LEDs auf ein helles Grün gesetzt. Man kann dieses dezente Grün noch an den Wänden erahnen. Das Fenster selbst hat auch rote, gelbe und grüne Teile. Licht, das durch dieses gefärbte Glas durchkommt, wird also eingefärbt. Um diese Wirkung zu simulieren, habe ich die einzelnen LEDs der Leiste, die vor der letzten Durchsicht hängt, in verschiedene Farben aufgeteilt. Die Grundstimmung ist weiß, aber je 2 LEDs (jeweils auf die rechte und linke Seite aufgeteilt) wurden auf rot, grün und gelb gestellt, wie es farblich dem Fensterglas entspricht. Der Kamin rechts vorne hat einen relativ großen Blauanteil und einen sehr kleinen Rotanteil. Die Farben würden im richtigen Leben natürlich reflektieren, weswegen ich die Decke über dem Kamin mit einigen LEDs auf blau und rot gesetzt habe. Es bleibt noch der Schrank auf der linken Seite übrig. Die Kanten zum Licht hin sind am hellsten, wie dies bei Streiflicht eben der Fall sein würde. Um den Schrank hell genug zu bekommen, setzte ich einen Spot ein, der in einem leichten Rot strahlte. Unter normalen Lichtverhältnissen würde das Tageslicht im vorderen Winkel des Zimmers natürlich nicht ausreichen, um diesen Schrank so hell zu erleuchten. Doch die oben vorgestellte Regel besagt ja auch nur, dass das Licht von einer einzigen Lichtquelle ableitbar sein muss. Und diese Regel wurde hier nicht verletzt. Das Licht, welches die Seite des Schranks zur Wand hin trifft, lässt sich als Reflexion der Wand erklären.

Beschreibung unserer Lichtanlage:

  • 6 LED-Streifen von Schnick-Schnack-System (25 cm lang). 5 hängen oben in den einzelnen Gassen, die 6. liegt auf dem Boden vor dem Hintergrundprospekt. Jeder der LED-Streifen verfügt über 10 einzelne LEDs, die sich individuell ansteuern lassen und in jeder gewünschten Farbe leuchten können.
  • 2 PAR-64-Scheinwerfer. Die Scheinwerfer stehen hinter dem Hintergrundprospekt und sind auf einem Stativ aufgebaut. Unsere Hintergrundprospekte sind alle auf Backlit-Film ausgedruckt. Mit diesen Scheinwerfern hat man ausreichend Beleuchtungsstärke zur Verfügung, um es hinten bei Bedarf auch richtig strahlend hell zu bekommen.
  • 1 LED-RGB-Spot.