Der Freischütz soll den Betrieb unserer Hausbühne eröffnen.

Nach einer längeren Pause geht es nun endlich richtig los. Der Freischütz von Carl Maria von Weber soll den Spielbetrieb auf unserer eigenen Bühne eröffnen. Erste Überlegungen gingen dahin, ihn ganz in Trentsensky-Dekorationen spielen zu lassen. Die Wiener Bühnenbilder für die Waldschenke, den Wald und das Försterzimmer sind schließlich ein ästhetischer Hochgenuss. Doch leider gibt es von Trentsensky
ausgerechnet für die Wolfsschlucht keine eigene Dekoration. Nach langen Überlegungen, ob sich eine überzeugende Wolfsschlucht vielleicht aus anderen Dekorationen des Papiertheaterverlegers zusammenstellen ließe, nahmen wir langsam Abschied von unserem Trentsensky-Konzept. Die schönste Wolfsschlucht im gesamten Papiertheaterbereich stammt von der Mainzer Firma Scholz. Der Darmstädter Hoftheatermaler Carl Beyer entwarf sie Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Wolfsschlucht bietet spektakuläre Möglichkeiten für einen aus der Versenkung erscheinenden Samiel. Auch die vielen dazugehörigen Versetzstücke tragen zur Verstärkung des Tiefeneffekts der Dekorationen erheblich bei. Warum dann nicht gleich alles mit Scholz ausstatten? Schließlich sind die anderen Scholz-Dekorationen auch vom allerfeinsten. Lediglich die Figuren werden von Trentsensky kommen, da sie sich für eigene Inszenierungen am besten eignen: Es gibt nicht nur eine Figurine pro Rolle, sondern gleich mehrere in für die jeweilige Szene passender Körperhaltung. Da die Trentsensky-Figuren für die Scholz-Dekorationen etwas zu klein sind, muss man sie lediglich ein wenig vergrößern und schon fügt sich alles zusammen.

Ob sich tatsächlich alle für den Freischütz benötigten Bühnenbilder auf die beste Weise mit Scholz verwirklich lassen, wird sich zeigen. Es zwingt einen ja niemand ein Konzept puristisch durchzuziehen, wenn Dekorationen anderer Hersteller geeigneter erscheinen. Dieser ästhetische Purismus ist ein Kind späterer Generationen von Papiertheaterliebhabern. Als diese Theater tatsächlich noch in jedem bürgerlichen Haushalt standen, mischte man noch ohne Bedenken Kulissen verschiedener Hersteller.

Beim Durchgehen der benötigten Bühnenbilder stellter sich schnell das nächste Problem: Die Schlußszene des Freischütz erfordert eine romantisch schöne Gegend mit Jagdzelten. Nach ersten Recherchen fügte ich in Photoshop verschiedene Kulissen so zusammen, dass sie meinen Vorstellungen von dieser Szene entsprachen. Das Bühnenbild soll ungefähr den folgenden Aufbau haben:

Entwurf für das Freischütz-FinaleFür diesen Entwurf habe ich auf folgende Bögen von Scholz zurückgegriffen:

Die für den Entwurf verwendeten Bögen

Das Zelt färbte ich rot, um einen farblichen Kontrast zu dem dominierenden Grün des Waldes zu haben. Das Rot steigert aber auch die Dramatik des Probeschusses und steht für Gefahr im allgemeinen. Diese Ideen lassen sich natürlich noch weiter fortspinnen. Kurzum, rot war meines Erachtens die beste Entscheidung für die Farbe des Zeltes. Der Hintergrund wird entlang der Wiesenstücke ausgeschnitten. Da der Freischütz in einer gebirgigen Landschaft spielt, bietet sich natürlich der Beyersche Entwurf für die Gebirgsgegend als Hintergrund an. Für die Durchsichten mit den Bäumen sind die dazugehörigen Bögen weniger geeignet, da sie perspektivisch schon zu stark auf einen weit hinten stehenden Hintergrund ausgerichtet sind. Deswegen entschied ich mich für die Beyers Durchsichten für seine Walddekoration. Um keine Löcher im Bühnenbild zu haben, verwende ich noch einige Zeltkulissen vom Bogen 28a und weitere Bäume, die ich aus dem Hintergrund der Walddekoration herausschneiden werde.

 

In bunten Bildern um die Welt. Begegnungen mit der Fremde beim J. F. Schreiber-Verlag

Bogen von Schreiber zum Thema Teeanbau

Schreiberbogen 'Teeanbau'

Am Sonntag, den 6. Mai 2012, eröffnet im Museum im Schwörhaus, Esslingen, eine Ausstellung, die für jeden Papiertheaterliebhaber von Interesse sein dürfte. Mit Büchern, Bildern, Wandtafeln und Papiertheatern wird gezeigt, wie der Schreiber-Verlag das Bild der Fremde und des Fremden prägte. In der Pressemitteilung der Stadt heißt es:

“Cowboys und Indianer, Chinesen und Japaner, aber auch unsere europäischen Nachbarn – fremde Länder und Menschen in Orient und Okzident faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Texte und Bilder prägten das Bild von Natur, Menschen und Dingen aus aller Welt. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete der J. F. Schreiber-Verlag seit den 1830er Jahren mit seinem vielfältigen Angebot.

Die Ausstellung präsentiert eine abwechslungsreiche Schau mit Bilderbogen, Bilder-, Lehr- und Lesebüchern, Wandtafeln und Kartonmodellen aus dem J.F. Schreiber-Verlag. Mit ihrer Hilfe lernten Kinder früher das Fremde und Unbekannte kennen. Unterhaltendes und Belehrendes aus Wohnzimmer und Schule spiegelt den Zeitgeist welthistorischer Ereignisse und Entwicklungen wider. Wellen der Japanbegeisterung im 19. Jahrhundert und für die ägyptische Architektur und Kunst griff der Schreiber-Verlag in seinen Produkten auf; ebenso den Hunger nach Informationen über die neue Heimat der Auswanderer in Amerika oder die Kolonien. Jahrmarkt und Zirkus inszenieren das Fremde als Spektakel und Sensation. In Märchen und Abenteuerromanen werden ferne Länder zu Phantasiewelten. Die erfolgreichsten Motive in der langen Geschichte des J.F. Schreiber-Verlags waren jedoch Tierdarstellungen aus aller Welt.

Das mittelalterliche Schwörhaus bildet einen reizvollen Kontrast zur liebevoll gestalteten Ausstellungsarchitektur mit zahlreichen Objekten. Für Schulklassen und Kindergartengruppen bietet die Museumspädagogik der Stadt Esslingen ein vielfältiges und unterhaltsames Programm mit Führungen und Mitmachaktionen an.

„In bunten Bildern um die Welt. Begegnungen mit der Fremde beim J. F. Schreiber-Verlag“

Ausstellungsdauer
6. Mai bis 7. Oktober 2012

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 14-18 Uhr
Sonntag, Feiertag 11-18 Uhr
Montag geschlossen, Pfingstmontag geöffnet

Eintrittspreise
Erwachsene 2,60 €, ermäßigt und Kinder ab 6 Jahren 1,- €, Kinder 3 bis 5 Jahre 0,50 €, Familienkarte 6 €, Jahreskarte der Städtischen Museen 20 €, ermäßigt 12 €

Die Eintrittskarte gilt auch für das Museum im Salemer Pfleghof – J. F. Schreiber-Museum, Untere Beutau 8–10.

Museum im Schwörhaus – Wechselausstellungen J. F. Schreiber-Museum
Marktplatz 12
73728 Esslingen am Neckar
Telefon Verwaltung 0711/3512-3240
info@museen-esslingen.de
www.museen-esslingen.de”

Die Esslinger Zeitung berichtet in einem längeren Artikel über diese Ausstellung und führt in die zugrundeliegenden Konzepte ein. Zum Bericht der Zeitung geht es hier.

Unsere Internet-Aktivitäten im Überblick

Hier gibt es einen kurzen Überblick unserer gesamten Aktivitäten im Internet.

Unser Papiertheater-Shop

In unserem Shop bieten wir hochwertige Reproduktionen von Figuren- und Bühnenbildbögen, Texthefte, Bauanleitungen und komplette Theater an. Unser Sortiment wird ständig erweitert.

Unser Online-Papiertheater-Museum

Unser Online-Papiertheater-Museum zeigt die Sammlungen der bedeutendsten Hersteller von Papiertheater-Bögen: J.F. Schreiber, Jos. Scholz, Imagerie d’Epinal, Seix y Barral und Trentsensky, um nur einige wenige Verleger herauszugreifen. Daneben gibt es auch Online-Ausgaben von Textheften und anderen schönen Dingen, die mit dem Thema Papiertheater zu tun haben.

Hier twittern wir

unsere Neuerscheinungen, über interessante Veranstaltungen oder Websites, schöne Papiertheater-Fotos und viele weitere Dinge, die mehr oder weniger mit dem Thema Papiertheater zu tun haben. Wir bemühen uns um Aktualität uns versuchen mindestens einen Tweet am Tag zu versenden.

Unser Facebook-Auftritt

ist im Unterschied zu diesem Blog nur auf unsere eigene Firma fokussiert. Hier gibt es viele Bilder aber auch nützliche Informationen über unsere Produkte. Der Auftritt wird in regelmäßigen Abständen auf den neuesten Stand gebracht.

Herzlich Willkommen!

Hier dreht sich alles um die kleinen Theater aus Papier, Pappe und Holz. Wir stellen an diesem Ort unsere eigene Papiertheater-Produkte vor, machen auf Ausstellungen, interessante Websites und Papiertheater-Vorführungen aufmerksam. Auch praktische Tipps für das eigene Spiel sollen in unserem Blog nicht zu kurz kommen.
Doch zu Beginn noch ein kleiner Einstieg ins Thema für die Erstentdecker. Papiertheater – andere Bezeichnungen lauten Spielzeugtheater oder Kindertheater – sind Miniaturtheater, die als Ausschneidebögen seit Anfang des 19. Jahrhunderts überall in Europa im Handel erhältlich waren.
Die Portalbreiten der kleinen Theater bewegen sich zwischen zirka 25 Zentimetern und beinahe 60 Zentimetern. Ein bürgerliches Publikum kaufte diese Ausschneidebögen zur Erbauung und Erziehung ihrer Kinder im Theater, in Papier- oder Buchhandlungen oder direkt an der eigenen Haustür. Die Bühnenbild- und Figurenbögen wurden dann im Kreise der Familie ausgeschnitten und auf Pappe geklebt. Anschließend probte man die Stücke gemeinsam und brachte sie im Rahmen der Familie zur Aufführung. Die Töchter des Hauses waren hierbei meistens für die musikalische Umrahmung zuständig, die Jungens für die Technik. Das Repertoire umspannte die damals gängigen Spielpläne der Opern- und Sprechtheaterbühnen. So finden sich spezielle Papiertheaterfassungen des Freischütz oder der Zauberflöte in fast allen Papiertheater-Verlagen. Im Spielzeugtheater-Repertoire durften aber auch natürlich Klassiker wie der Faust, Wilhelm Tell oder Othello nicht fehlen.

Szene aus Dornröschen

Das Bild zeigt ein Proszenium von der Firma Scholz mit einer Szene aus Dornröschen. Das Bühnenbild geht auf Entwürfe des Darmstädter Hoftheatermalers Carl Beyer für die Mainzer Firma Jos. Scholz zurück.

Wir wünschen Ihnen nun noch viel Spaß bei der weiteren Lektüre.