Making of: Verwendung von Backlit-Film beim Hintersetzer

In diesem Beitrag erläutere ich, wie ich den Hintergrund des Bühnenbildes bearbeitet habe, um ihn für die erste Szene im zweiten Akt unserer Freischütz-Inszenierung verwendbar zu machen. Die Verwendung von Backlit-Film für den Ausdruck des Hintersetzers spielt dabei eine wichtige Rolle.

Das gotische Zimmer von Scholz mit Hintersetzer

Das gotische Zimmer von Scholz mit einem Hintersetzer, der auf Backlit-Film gedruckt wurde. Wir bieten diesen Druck-Service übrigens auch in unserem Papiertheater-Shop an.

Für den Bau des Papiertheater-Bühnenbildes griff ich auf Reproduktionen des gotischen Zimmers von Scholz zurück. Das Fenster im Hintergrundprospekt habe ich ausgeschnitten und von hinten mit einer dünnen PVC-Folie beklebt. Wie bei einem richtigen Fenster wollte ich Reflexionen der Umgebung auf dem Glas einfangen, um damit den Realismus des Fensters zu erhöhen. Ursprünglich sieht der Hintergrundprospekt von der Mainzer Firma Scholz so aus:

Gotisches Zimmer. Papiertheater-Hintergrund von Scholz.

So sieht der Bogen des Hintergrundprospekts vom gotischen Zimmer aus, wenn man ihn bei uns im Shop kauft.

Anfänglich sollte in meinem visuellen Konzept dann der Hintergrund vom Wald mit Burg von Scholz als Hintersetzer Verwendung finden:

Wald mit Burg von Scholz

Wald mit Burg von Scholz (Nr. 4).

Jetzt hatte ich allerdings das Problem, dass das für den Vorsaal des Forsthauses stehende gotische Zimmer auf ein Gebäude schließen lässt, das größer und prächtiger als die fürstliche Burg wäre. Aus diesem Grund entschied ich mich dafür, den Wald mit Burg stark zu überarbeiten. Die Burg sollte größer und prächtiger werden. Gleichzeitig wollte ich bei der Überarbeitung auch schon berücksichtigen, dass die Szene bei Nacht spielt. Die fürstliche Burg im Hintergrund sollte etwas Bedrohliches haben und an den Probeschuss erinnern, der für Max und Agathe über Glück oder Unglück entscheidet. Damit der Zuschauer die Burg überhaupt sehen kann, habe ich mich dafür entschieden, sie als Silhouette vor einem riesigen Mond, der wie ein Spot wirkt, zu setzen. Neben dem gewünschten Effekt einer vergrößerten Tiefe des Bühnenbilds lenke ich durch die Helligkeit des Monds als hellstem Punkt die Aufmerksamkeit auf die davor stehende Burg. Und so sieht der überarbeitete Wald mit Burg jetzt aus:

Der überarbeitete Wald mit Burg

Der von mir überarbeitete Wald mit Burg von Scholz sieht nun so aus.

Diesen Hintersetzer habe ich nun auf Backlit-Film ausgedruckt. Um mir mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Ausleuchtung zu schaffen, habe ich eine schwarze Schablone angefertigt, die lediglich den Himmel frei lässt:

Die schwarze Schablone lässt nur den Himmel des Hintersetzers frei.

Die schwarze Schablone lässt nur den Himmel des Hintersetzers frei.

Nachdem ich die Schablone ausgeschnitten hatte, klebte ich sie passgenau auf die Rückseite des Backlit-Films. Dadurch habe ich jetzt die Möglichkeit, Himmel und Landschaft getrennt ausleuchten zu können. Über zwei hinter dem Hintersetzer stehende PAR-64-Scheinwerfer kann ich die Helligkeit und Farbe des Nachthimmels steuern. Setze ich nur diese beiden Scheinwerfer ein, sehe ich die Landschaft jetzt lediglich als schwarze Silhouette. Durch einen LED-Streifen, der auf dem Bühnenboden vor dem Hintersetzer nach oben gerichtet liegt, kann ich aber auch Details der Landschaft stärker herausheben und den Kontrast von Himmel und Landschaft frei gestalten. Ich habe mich dafür entschieden, keine reine Silhouette zu verwenden, sondern die Impression einer Landschaft zu erzeugen, die von reflektierenden Wolken hier und da beleuchtet wird. Bei dieser Lichtgestaltung bekommt der Zuschauer einige weitere Details der Burg zu sehen, die den Eindruck des Reichtums verstärken. Aber auch die Tiefe des Raums lässt sich durch einige sichtbare Landschaftselemente besser gestalten.

 

 

Making of: Im Filmstil ausleuchten

Klassische Regeln des Filmlichts lassen sich auch im Papiertheater für die Lichtgestaltung einsetzen.

Das Foto zeigt das Bühnenbild ‚Gotisches Zimmer‘ von Jos. Scholz, Mainz. Die verwendete Reproduktion stammt von Multum in Parvo in Mering.

 

Ich möchte anhand dieses Fotos, das ich vor 2 Tagen auf unserer Bühne gemacht habe, einmal zeigen, wie man eine Papiertheater-Kulisse nach den Regeln des klassischen Hollywood-Kinos ausleuchten würde.

Eine der wichtigsten Regeln, die im Mainstream-Kino kein DOP infrage stellen würde, lautet, dass es nur eine einzige Lichtquelle geben darf, von der sich alles, was im Bild im Licht ist, ableiten lässt. Eine andere Regel, die ich hier ebenfalls beherzigt habe, sagt, dass der Vordergrund am dunkelsten und der Hintergrund am hellsten zu sein hat. Dadurch wird in einem zweidimensionalem Bild die Tiefenwirkung betont.

Die Lichtquelle, die das gotische Zimmer von Scholz ausleuchtet, ist hier die Sonne, die durch das hintere Fenster in den Raum hineinstrahlt. Natürliche Reflektoren sind zum einen der Boden hinter dem Fenster, der Fußboden vor dem Fenster, die Wände und die Decken des Zimmers. Die LED-Leiste, die vom Zuschauer aus gesehen auf dem Boden hinter dem Fenster liegt, dient hier quasi als reflektierende Rasenfläche. Aus diesem Grund habe ich auch alle 10 LEDs auf ein helles Grün gesetzt. Man kann dieses dezente Grün noch an den Wänden erahnen. Das Fenster selbst hat auch rote, gelbe und grüne Teile. Licht, das durch dieses gefärbte Glas durchkommt, wird also eingefärbt. Um diese Wirkung zu simulieren, habe ich die einzelnen LEDs der Leiste, die vor der letzten Durchsicht hängt, in verschiedene Farben aufgeteilt. Die Grundstimmung ist weiß, aber je 2 LEDs (jeweils auf die rechte und linke Seite aufgeteilt) wurden auf rot, grün und gelb gestellt, wie es farblich dem Fensterglas entspricht. Der Kamin rechts vorne hat einen relativ großen Blauanteil und einen sehr kleinen Rotanteil. Die Farben würden im richtigen Leben natürlich reflektieren, weswegen ich die Decke über dem Kamin mit einigen LEDs auf blau und rot gesetzt habe. Es bleibt noch der Schrank auf der linken Seite übrig. Die Kanten zum Licht hin sind am hellsten, wie dies bei Streiflicht eben der Fall sein würde. Um den Schrank hell genug zu bekommen, setzte ich einen Spot ein, der in einem leichten Rot strahlte. Unter normalen Lichtverhältnissen würde das Tageslicht im vorderen Winkel des Zimmers natürlich nicht ausreichen, um diesen Schrank so hell zu erleuchten. Doch die oben vorgestellte Regel besagt ja auch nur, dass das Licht von einer einzigen Lichtquelle ableitbar sein muss. Und diese Regel wurde hier nicht verletzt. Das Licht, welches die Seite des Schranks zur Wand hin trifft, lässt sich als Reflexion der Wand erklären.

Beschreibung unserer Lichtanlage:

  • 6 LED-Streifen von Schnick-Schnack-System (25 cm lang). 5 hängen oben in den einzelnen Gassen, die 6. liegt auf dem Boden vor dem Hintergrundprospekt. Jeder der LED-Streifen verfügt über 10 einzelne LEDs, die sich individuell ansteuern lassen und in jeder gewünschten Farbe leuchten können.
  • 2 PAR-64-Scheinwerfer. Die Scheinwerfer stehen hinter dem Hintergrundprospekt und sind auf einem Stativ aufgebaut. Unsere Hintergrundprospekte sind alle auf Backlit-Film ausgedruckt. Mit diesen Scheinwerfern hat man ausreichend Beleuchtungsstärke zur Verfügung, um es hinten bei Bedarf auch richtig strahlend hell zu bekommen.
  • 1 LED-RGB-Spot.

Making of: Hintersetzer für Zauberflöte Akt I, 9-14.

Will man die ganze Zauberflöte aufführen, benötigt man 12 verschiedene Bühnenbilder. Für den ersten Akt, Szene 9 – 14, haben wir uns für Nr. 34 ‚Ägyptische Halle‘ vom Wiener Verlag Trentsensky als Ausgangsbasis für unser Bühnenbild entschieden:
Trentsensky Nr. 34 'Ägyptische Halle - Hintergrund'.

Trentsensky Nr. 34 ‚Ägyptische Halle – Hintergrund‘.

Da wir die zu diesem Bühnenbild eigentlich dazugehörigen Seitengassen für langweilig hielten, beschlossen wir, aus diesem Hintergrund eine Durchsicht zu machen, die dem Raum mehr Tiefe geben soll:
Die ägyptische Halle als Durchsicht.
Die ägyptische Halle als Durchsicht.
Der ausgeschnittene Hintergrund sollte aber weiterhin als Bühnenbildhintergrund seine Verwendung finden:
Ägyptische Halle, ausgeschnittener Hintergrund

Ägyptische Halle, ausgeschnittener Hintergrund.

Dazu mussten wir erst einmal die weißen Lücken ergänzen. In einem ersten Schritt wurden die hintere Pyramide, der Dschungel und der Himmel so überarbeitet, dass alle Lücken harmonisch geschlossen wurden. Der hohe Baum auf der linken Seite wurde wegretuschiert. Anschließend wurden die Seiten, der Boden und der Himmel mit anderen Elementen aus Trentsensky-Bühnenbildern umrandet. Das Ergebnis sieht dann so aus:
Erweiterung des Hintergrunds der ägyptischen Halle

Erweiterung des Hintergrunds der ägyptischen Halle.

Um diesem Hintergrund noch mehr Tiefe zu geben, wurde er auf Backlit-Folie gedruckt, die durch die Beleuchtung von hinten und den opaken Charakter des Papiers die atmosphärische Weite der Landschaft zusätzlich betonte.
Um den Übergang zwischen Durchsicht und Hintergrund harmonisch zu überbrücken, entschieden wird uns dafür, gleich hinter der Durchsicht zwei weitere Palmen zu platzieren:
zwei palmen

Zwei Palmen, angefertigt aus Trentsensky-Beständen.

Mit dem optischen Eindruck des Hintergrunds waren wir jetzt zufrieden. Als letztes Problem blieb jetzt nur noch der Vordergrund. Da die eigentlich vorgesehen Seitengassen von Trentsensky für uns nicht in Frage kamen, sagten wir uns: „Warum nicht einfach eine weitere Durchsicht aus dem Hintergrund herstellen?“ Der eigentliche Hintergrund musste jetzt nur noch vergrößert, die Säule in der Mitte und die Treppenstufen entfernt und die Deckenteile perspektivisch angepasst werden. Herausgekommen ist dabei diese Durchsicht:
Ägyptische Halle - weitere Durchsicht
Aus dem Hintergrund angefertigte Durchsicht für den Vordergrund.
Nachdem alle Bühnenbildteile ausgeschnitten und auf Rahmen gespannt waren, ihre endgültige Position festgelegt war, leuchteten wir das Bühnenbild mit unseren LED-PAR-Scheinwerfern aus:
Papiertheater-Zauberflöte, Akt I, 9-14

Das ausgeleuchtete Bühnenbild auf unserer Papiertheater-Bühne.

Die Bühnenlampen im Vordergrund sind während einer Aufführung normalerweise aus. Sie wurden lediglich für dieses Foto eingeschaltet, um den dreidimensionalen Charakter der realen Bühne zu betonen.